Kraftstoff aus Biogas: Anton Willer beteiligt sich mit eFuel GmbH an Start-up „CAPHENIA“
8. August 2023 | Aktuelles, PresseCAPHENIA-Technologie: Potenzial zur Reduzierung des Energiebedarfs bei der Herstellung synthetischer Kraftstoffe
Die Anton Willer GmbH & Co. KG ist über die eFuel GmbH an der CAPHENIA GmbH beteiligt. CAPHENIA entwickelt einen Power-and-Biogas-to-Liquid-(PBtL)-Prozess zur Herstellung von Synthesegas. Dieses kann anschließend als Ausgangsstoff für die Herstellung synthetischer Kraftstoffe und weiterer chemischer Produkte eingesetzt werden. Die Beteiligung der eFuel GmbH an CAPHENIA wurde 2023 bekannt gegeben.
Technologie mit untersucht geringerem Strombedarf
CAPHENIA hat einen PBtL-Reaktor entwickelt, in dem unter anderem Biomethan, CO₂, Wasser und Strom zur Herstellung von Synthesegas eingesetzt werden. Nach Angaben von CAPHENIA benötigt der entwickelte PBtL-Prozess im Vergleich zu konventionellen Power-to-Liquid-Verfahren bis zu sechsmal weniger Strom. Diese Angabe bezieht sich auf den von CAPHENIA beschriebenen Prozessvergleich und stellt keine allgemeingültige Aussage über sämtliche Verfahren zur Herstellung synthetischer Kraftstoffe dar. [1]
Untersuchung der Umweltwirkungen
Die Umweltwirkungen des PBtL-Verfahrens wurden in einer Lebenszyklusanalyse der Technischen Universität Hamburg (TU Hamburg) untersucht. Die Studie trägt den Titel „Untersuchung der Umweltauswirkungen eines Power-and-Biogas-to-Liquid (PBtL) Prozesses zur Herstellung von erneuerbaren synthetischen Kraftstoffen – Eine Lebenszyklusanalyse“ und wurde von Ulf Neuling, Sebastian Timmerberg, Stefan Bube und Martin Kaltschmitt erstellt. Die TU Hamburg führt die Studie offiziell in ihrer Rubrik „Studies and Research Reports“. [2]
Die Untersuchung betrachtet unter anderem das Treibhauspotenzial und weitere Umweltwirkungskategorien. Für die untersuchte PBtL-Prozessvariante wurde bei Verwendung von Strom aus Offshore-Windenergie eine Treibhausgasminderung von bis zu 92 Prozent gegenüber der fossilen Referenz ausgewiesen. [2][3]
Diese Zahl ist an die in der Untersuchung zugrunde gelegten Rahmenbedingungen gebunden. Nach der von CAPHENIA veröffentlichten Zusammenfassung der Untersuchung wurde für die untersuchte PBtL-Variante bei Verwendung des europäischen Strommixes eine Treibhausgasminderung von 37 Prozent gegenüber der fossilen Referenz ausgewiesen. Der Einsatz der jeweiligen Energiequelle hat damit einen wesentlichen Einfluss auf die ermittelte Treibhausgasbilanz. [3]
Die Angabe von bis zu 92 Prozent ist daher als Ergebnis der untersuchten Prozesskonstellation zu verstehen und nicht als pauschale Aussage, dass mit dem CAPHENIA-Verfahren hergestellte Kraftstoffe unabhängig von den eingesetzten Rohstoffen und Energiequellen grundsätzlich 92 Prozent weniger Treibhausgasemissionen verursachen.
Weitere Entwicklung und Erprobung der Technologie
Mit der Beteiligung an CAPHENIA unterstützt die eFuel GmbH die weitere Entwicklung und Erprobung des PBtL-Verfahrens. Ein wesentlicher Aspekt ist dabei die technische Demonstration und weitere Untersuchung der Skalierbarkeit des Prozesses.
CAPHENIA arbeitet hierzu an der Demonstrationsanlage „GERMANY I“ im Industriepark Frankfurt-Höchst. Ziel ist es nach Angaben des Unternehmens unter anderem, weitere Erkenntnisse über den Prozess und dessen Übertragbarkeit auf größere Produktionsmaßstäbe zu gewinnen.
Ob und zu welchen Kosten synthetische Kraftstoffe auf Basis des Verfahrens künftig im industriellen Maßstab hergestellt werden können, hängt von der weiteren technologischen Entwicklung, der Skalierung sowie unter anderem von den Kosten und der Verfügbarkeit von Energie und Rohstoffen ab.
Eine belastbare Aussage darüber, dass mit der Technologie künftig wettbewerbsfähige Kraftstoffpreise erreicht werden, lässt sich aus den vorliegenden Umwelt- und Prozessdaten allein daher nicht ableiten.
Beteiligung an der Entwicklung alternativer Kraftstofftechnologien
Die eFuel GmbH ist ein Zusammenschluss mittelständischer Unternehmen, die sich an Unternehmen und Initiativen beteiligen, welche die Entwicklung und Markteinführung synthetischer Kraftstoffe unterstützen.
Die Beteiligung an CAPHENIA ist Teil dieses Engagements. Ziel ist es, die Entwicklung verschiedener technologischer Ansätze zu begleiten und deren technische, wirtschaftliche und ökologische Potenziale weiter zu untersuchen.
Dabei steht für uns eine sachliche Betrachtung im Vordergrund: Die Treibhausgasbilanz synthetischer Kraftstoffe hängt nicht allein von der eingesetzten Technologie ab, sondern unter anderem von den verwendeten Rohstoffen, der Herkunft der eingesetzten Energie und den jeweiligen Produktionsbedingungen.
Weitere Infos auch unter www.caphenia.tech
Quellen:
[1] CAPHENIA GmbH – technische Beschreibung des PBtL-Verfahrens
CAPHENIA beschreibt den PBtL-Reaktor und gibt an, dass der Prozess im Vergleich zu konventionellen PtL-Verfahren bis zu sechsmal weniger Strom benötigt.
CAPHENIA and Condor Sign Cooperation Agreement | CAPHENIA
[2] Technische Universität Hamburg – Originalpublikation / Studienübersicht
Ulf Neuling, Sebastian Timmerberg, Stefan Bube, Martin Kaltschmitt: Untersuchung der Umweltauswirkungen eines Power-and-Biogas-to-Liquid (PBtL) Prozesses zur Herstellung von erneuerbaren synthetischen Kraftstoffen – Eine Lebenszyklusanalyse. Die TU Hamburg führt die Studie offiziell in ihrer Sammlung „Studies and Research Reports“.
IUE: Studies and Research Reports
[3] CAPHENIA GmbH – Zusammenfassung der TUHH-Untersuchung
Die CAPHENIA-Zusammenfassung nennt für die untersuchte PBtL-Prozessvariante eine Minderung des Treibhauspotenzials von bis zu 92 % bei Verwendung von Offshore-Windstrom sowie 37 % bei Verwendung des europäischen Strommixes.
PBtL fuels create post-EEG business model for biogas plants and enable 92% CO2 savings | CAPHENIA